„Hakenkreuze auf Bürofenstern“. Asta-Referent über die Causa Lucke

Nach einer Asta-Kundgebung wurde eine Vorlesung des AfD-Mitgründers Bernd Lucke an der Uni Hamburg verhindert. Nun wird der Asta angefeindet.

taz: Herr Stephan, wie weit darf studentischer Protest gehen?

Niklas Stephan: Bis er auf die Grenzen der Vernunft stößt. Ziviler Ungehorsam kann innerhalb dieser Grenzen liegen, sofern er einem übergeordneten Zweck dient und demokratischen Meinungsbildungsprozessen zuträglich ist.

Nach Ihrer Kundgebung wurde am 16. Oktober die Vorlesung des AfD-Mitgründers Bernd Lucke verhindert. War das legitim?

Schon in den 1960er-Jahren gab es Störungen in Hörsälen. Ich finde dieses Mittel an sich legitim, aber über den 16. Oktober muss man differenzierter reden. Uns freut natürlich, wenn wir mit unserem Protest nicht allein sind. Unerfreulich waren jedoch manche Vorkommnisse im Hörsaal: Hypermaskulines Verhalten und plumpe Verbal­attacken sind nicht unser bevorzugter Ausdruck von Protest.

Lucke wurde in diesem Zusammenhang als „Nazi-Schwein“ bezeichnet.

Ich finde, dass der Begriff ein abgestumpftes Schwert ist, weil er inflationär benutzt wurde. Als Nazi muss Lucke meiner Meinung nach nicht bezeichnet werden, ein Rechter ist er schon.

Trotz Ihrer Distanzierung gelten Sie als Anstifter, die Vorlesung findet nun unter Polizeischutz statt. Haben Sie Geister gerufen, die Sie nicht mehr loswerden?

Wenn der Gründer der größten rechtsradikalen Partei Deutschlands seit der NSDAP plötzlich wieder an deiner Uni lehrt, ist es legitim, vom Recht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch zu machen. Das haben wir als Asta getan. Uns deshalb für die regelmäßige Polizeipräsenz auf dem Campus verantwortlich zu machen, halte ich für weit hergeholt. Nichtsdestotrotz ist die Anwesenheit der Polizei hoch problematisch, da sie mittlerweile auch vollkommen unbeteiligte Studierende massiv einschränkt.

Das komplette Interview gibt’s auf taz.de

Erschienen am 20.11.2019, ebenfalls in print.

Foto privat

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